Gerhard Oberhammer


Materialien zur Geschichte der Rāmānuja-Schule VII. Zur spirituellen Praxis des Zufluchtnehmens bei Gott (śaraṇāgatiḥ) vor Veṅkaṭanātha







Materialien zur Geschichte der Rāmānuja-Schule VII.
Zur spirituellen Praxis des Zufluchtnehmens bei Gott (śaraṇāgati) vor Venkanatha


ISBN 978-3-7001-3253-0
Print Edition

doi:10.1553/3-7001-3253-0 
2004  186 Seiten, 24x15cm, broschiert, Sitzungsberichte der phil.-hist. Klasse 710, Veröffentlichungen zu den Sprachen und Kulturen Südasiens 36
€  38,50   
     

Gerhard Oberhammer
ist em. Professor für Indologie der Universität Wien

Der vorliegende Band ist der siebte Teil der vom Autor veröffentlichten „Materialien zur Geschichte der Rāmānuja-Schule“, in dem erstmals der Versuch gemacht wird, das Aufkommen der spirituellen Praxis des Zufluchtnehmens (prapattiḥ, śaraṇāgatiḥ) darzustellen. Die Anfänge dieser Entwicklung finden sich wohl schon Anfang des ersten Jahrtausends in einem ethischen Prinzip der Dharmaliteratur, wonach Schutzsuchenden, die bar jeder Hilfe sind, in jedem Falle Schutz zu gewähren ist. Dieses Prinzip begegnet im Heldenepos des Rāmāyaṇam als Prinzip ritterlicher Ethik und ist in der Bhagavadgītā erstmals im Sinne einer theologischen Aussage bezeugt. In der an diese beiden textlichen Bezeugungen des „Zufluchtnehmens“ anschließenden Reflexion wird das Zufluchtnehmen bei Gott etwa in der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends zum Ausdruck völliger Hingabe (bhaktiḥ) an Gott und so nicht nur zu einer Formel religiöser Sprache, sondern auch zu einem Paradigma gelebter Spiritualität in der Tradition brahmanischer Orthodoxie. Innerhalb der Rāmānuja-Schule begegnet diese Spiritualität als Ausdruck der höchsten Hingabe bei Rāmānuja in seinem Śaraṇāgatigadyam, dessen Echtheit zu begründen und die Intention dieses Werkes aufzuzeigen versucht wird, wodurch in die Diskussion um das Śaraṇāgatigadyam neue Aspekte eingebracht werden. Bemerkenswert ist, dass die Praxis des Zufluchtnehmens innerhalb der Schule noch bei Nārāyaṇārya nur für jene Anhänger der Schule als Mittel der Emanzipation vertreten wird, denen die Berechtigung zum Studium des Vedānta fehlt und damit die Möglichkeit des von Rāmānuja als alleiniges Mittel der Emanzipation anerkannten Bhaktiyoga genommen ist, so dass man annehmen kann, dass diese spirituelle Praxis zur Zeit dieses Autors in der Schule nicht als zur Emanzipation führender Ritualakt für alle anerkannt war. Erst Vātsya Varadaguru bringt in seinem Prapannapārijātam erstmals in der Sanskrittradition der Schule die endgültige Lehre vom „Zufluchtnehmen bei Gott“ als zur Emanzipation führendes Ritual für alle Anhänger der Schule. Da Vātsya Varadaguru seiner Darstellung der Lehre vom Zufluchtnehmen vor allem Aussagen der Pāñcarātra-Tradition zugrunde legt, stellt sich die Frage, ob und inwieweit das Pāñcarātra als Quelle dieser rituellen Praxis angenommen werden muss. Tatsächlich zeigt die Vorgeschichte dieser spirituellen Praxis, dass diese nicht im Pāñcarātra entstanden ist, sondern aus der Tradition viṣṇuitischer Orthodoxie übernommen wurde.

The seventh volume of the “Materialien zur Geschichte der Rāmānuja-Schule” makes a first attempt to describe the emergence of the spiritual practice of taking refuge (prapattiḥ, śaraṇāgatiḥ). Its development probably already started at the beginning of the first millennium, namely with an ethic principle of the Dharma literature according to which helpless persons seeking shelter should be given protection under all circumstances. This principle is found as a principle of knightly ethics in the heroic epic Rāmāyaṇam and is attested in the sense of a theological statement for the first time in the Bhagavadgītā. In the reflections that ensue these two textual evidences of taking refuge in about the second half of the first millennium, taking refuge with God becomes an expression of absolute devotion (bhaktiḥ) to God and thus, not only a formula of religious language, but also a paradigm of living spirituality in the tradition of Brahmanic orthodoxy. Within the Rāmānuja School, this spirituality as an expression of supreme devotion is found in Rāmānuja’s Śaraṇāgatigadyam. This volume tries to substantiate the authenticity of this work and to point out its intention. Thereby new aspects are brought into the discussion about the Śaraṇāgatigadyam. It is striking that until Nārāyaṇārya the school taught the practice of taking refuge as a means for emancipation only for those of its followers who did not have the authority to study the Vedānta and thus could not practise Bhaktiyoga, which according to Rāmānuja was the only means for emancipation. Thus, we can assume that during the lifetime of Nārāyaṇārya this spiritual practice was not accepted in the school as a ritual act leading to emancipation for everybody. It was Vātsya Varadaguru’s Prapannapārijātam that, for the first time in the Sanskrit tradition, gave the definitive teaching of taking refuge with God as a ritual leading to emancipation for all followers of the school. As Vātsya Varadaguru based his presentation of the teaching of taking refuge especially on statements of the Pāñcarātra tradition, the question arises if and to what extent the Pāñcarātra can be assumed to be the source of this ritual practice. In fact, the earlier history of this spiritual practice shows that it did not emerge from the Pāñcarātra, but was adopted from the Vaiṣṇava orthodox tradition.

Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Austrian Academy of Sciences Press
A-1011 Wien, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2
Tel. +43-1-515 81/DW 3402-3406, +43-1-512 9050, Fax +43-1-515 81/DW 3400
http://verlag.oeaw.ac.at, e-mail: verlag@oeaw.ac.at

Bestellung/Order






Materialien zur Geschichte der Rāmānuja-Schule VII.
Zur spirituellen Praxis des Zufluchtnehmens bei Gott (śaraṇāgati) vor Venkanatha
Materialien zur Geschichte der Rāmānuja-Schule VII. Zur spirituellen Praxis des Zufluchtnehmens bei Gott (śaraṇāgatiḥ) vor Veṅkaṭanātha


ISBN 978-3-7001-3253-0
Print Edition



Send or fax to your local bookseller or to:

Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Austrian Academy of Sciences Press
A-1011 Wien, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2,
Tel. +43-1-515 81/DW 3402-3406, +43-1-512 905-0 Fax +43-1-515 81/DW 3400
http://verlag.oeaw.ac.at, e-mail: verlag@oeaw.ac.at
UID-Nr.: ATU 16251605, FN 71839x Handelsgericht Wien, DVR: 0096385

Bitte senden Sie mir
Please send me
 
Exemplar(e) der genannten Publikation
copy(ies) of the publication overleaf


NAME


ADRESSE / ADDRESS


ORT / CITY


LAND / COUNTRY


ZAHLUNGSMETHODE / METHOD OF PAYMENT
    Visa     Euro / Master     American Express


NUMMER

Ablaufdatum / Expiry date:                      

    I will send a cheque           Vorausrechnung / Send me a proforma invoice
 
DATUM, UNTERSCHRIFT / DATE, SIGNATURE

BANK AUSTRIA CREDITANSTALT, WIEN (IBAN AT04 1100 0006 2280 0100, BIC BKAUATWW, BLZ 11000), KONTO-NR. 00622 800 100, BAWAG/ÖSTERREICHISCHE POSTSPARKASSE, WIEN (IBAN AT976000000002365011, BIC OPSKATWW, BLZ 60000) KONTO-NR. 2365.011, DEUTSCHE BANK MÜNCHEN (IBAN DE16 7007 0024 0238 8270 00, BIC DEUTDEDBMUC, BLZ 70070024), KONTO-NR. 2388270

Gerhard Oberhammer


Materialien zur Geschichte der Rāmānuja-Schule VII. Zur spirituellen Praxis des Zufluchtnehmens bei Gott (śaraṇāgatiḥ) vor Veṅkaṭanātha







Materialien zur Geschichte der Rāmānuja-Schule VII.
Zur spirituellen Praxis des Zufluchtnehmens bei Gott (śaraṇāgati) vor Venkanatha


ISBN 978-3-7001-3253-0
Print Edition

doi:10.1553/3-7001-3253-0 
2004  186 Seiten, 24x15cm, broschiert, Sitzungsberichte der phil.-hist. Klasse 710, Veröffentlichungen zu den Sprachen und Kulturen Südasiens 36
€  38,50   
     

Gerhard Oberhammer
ist em. Professor für Indologie der Universität Wien

Der vorliegende Band ist der siebte Teil der vom Autor veröffentlichten „Materialien zur Geschichte der Rāmānuja-Schule“, in dem erstmals der Versuch gemacht wird, das Aufkommen der spirituellen Praxis des Zufluchtnehmens (prapattiḥ, śaraṇāgatiḥ) darzustellen. Die Anfänge dieser Entwicklung finden sich wohl schon Anfang des ersten Jahrtausends in einem ethischen Prinzip der Dharmaliteratur, wonach Schutzsuchenden, die bar jeder Hilfe sind, in jedem Falle Schutz zu gewähren ist. Dieses Prinzip begegnet im Heldenepos des Rāmāyaṇam als Prinzip ritterlicher Ethik und ist in der Bhagavadgītā erstmals im Sinne einer theologischen Aussage bezeugt. In der an diese beiden textlichen Bezeugungen des „Zufluchtnehmens“ anschließenden Reflexion wird das Zufluchtnehmen bei Gott etwa in der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends zum Ausdruck völliger Hingabe (bhaktiḥ) an Gott und so nicht nur zu einer Formel religiöser Sprache, sondern auch zu einem Paradigma gelebter Spiritualität in der Tradition brahmanischer Orthodoxie. Innerhalb der Rāmānuja-Schule begegnet diese Spiritualität als Ausdruck der höchsten Hingabe bei Rāmānuja in seinem Śaraṇāgatigadyam, dessen Echtheit zu begründen und die Intention dieses Werkes aufzuzeigen versucht wird, wodurch in die Diskussion um das Śaraṇāgatigadyam neue Aspekte eingebracht werden. Bemerkenswert ist, dass die Praxis des Zufluchtnehmens innerhalb der Schule noch bei Nārāyaṇārya nur für jene Anhänger der Schule als Mittel der Emanzipation vertreten wird, denen die Berechtigung zum Studium des Vedānta fehlt und damit die Möglichkeit des von Rāmānuja als alleiniges Mittel der Emanzipation anerkannten Bhaktiyoga genommen ist, so dass man annehmen kann, dass diese spirituelle Praxis zur Zeit dieses Autors in der Schule nicht als zur Emanzipation führender Ritualakt für alle anerkannt war. Erst Vātsya Varadaguru bringt in seinem Prapannapārijātam erstmals in der Sanskrittradition der Schule die endgültige Lehre vom „Zufluchtnehmen bei Gott“ als zur Emanzipation führendes Ritual für alle Anhänger der Schule. Da Vātsya Varadaguru seiner Darstellung der Lehre vom Zufluchtnehmen vor allem Aussagen der Pāñcarātra-Tradition zugrunde legt, stellt sich die Frage, ob und inwieweit das Pāñcarātra als Quelle dieser rituellen Praxis angenommen werden muss. Tatsächlich zeigt die Vorgeschichte dieser spirituellen Praxis, dass diese nicht im Pāñcarātra entstanden ist, sondern aus der Tradition viṣṇuitischer Orthodoxie übernommen wurde.

The seventh volume of the “Materialien zur Geschichte der Rāmānuja-Schule” makes a first attempt to describe the emergence of the spiritual practice of taking refuge (prapattiḥ, śaraṇāgatiḥ). Its development probably already started at the beginning of the first millennium, namely with an ethic principle of the Dharma literature according to which helpless persons seeking shelter should be given protection under all circumstances. This principle is found as a principle of knightly ethics in the heroic epic Rāmāyaṇam and is attested in the sense of a theological statement for the first time in the Bhagavadgītā. In the reflections that ensue these two textual evidences of taking refuge in about the second half of the first millennium, taking refuge with God becomes an expression of absolute devotion (bhaktiḥ) to God and thus, not only a formula of religious language, but also a paradigm of living spirituality in the tradition of Brahmanic orthodoxy. Within the Rāmānuja School, this spirituality as an expression of supreme devotion is found in Rāmānuja’s Śaraṇāgatigadyam. This volume tries to substantiate the authenticity of this work and to point out its intention. Thereby new aspects are brought into the discussion about the Śaraṇāgatigadyam. It is striking that until Nārāyaṇārya the school taught the practice of taking refuge as a means for emancipation only for those of its followers who did not have the authority to study the Vedānta and thus could not practise Bhaktiyoga, which according to Rāmānuja was the only means for emancipation. Thus, we can assume that during the lifetime of Nārāyaṇārya this spiritual practice was not accepted in the school as a ritual act leading to emancipation for everybody. It was Vātsya Varadaguru’s Prapannapārijātam that, for the first time in the Sanskrit tradition, gave the definitive teaching of taking refuge with God as a ritual leading to emancipation for all followers of the school. As Vātsya Varadaguru based his presentation of the teaching of taking refuge especially on statements of the Pāñcarātra tradition, the question arises if and to what extent the Pāñcarātra can be assumed to be the source of this ritual practice. In fact, the earlier history of this spiritual practice shows that it did not emerge from the Pāñcarātra, but was adopted from the Vaiṣṇava orthodox tradition.



Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Austrian Academy of Sciences Press
A-1011 Wien, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2
Tel. +43-1-515 81/DW 3402-3406, +43-1-512 9050, Fax +43-1-515 81/DW 3400
http://verlag.oeaw.ac.at, e-mail: verlag@oeaw.ac.at