Rigler (Riegler), Franz Xaver Paul (František Pavol)
* 1747/48, (Ort?), † 17.10.1796 Wien. Komponist, Klaviervirtuose, Musiklehrer, Musiktheoretiker. Die produktivsten Jahre (etwa seit 1775) verlebte R. in Pressburg als ein zu seiner Zeit allgemein anerkannter Konzertkünstler und Musikprof. an der Hauptnationalschule. Die von ihm 1779 gegründete Musikklasse, genannt MSch., als erste (sog. Musterschule) in Ungarn und im mittleren Donaugebiet, hatte den Charakter einer öffentlichen MSch. Wegen einer psychischen Erkrankung schränkte er seit 1788 nicht nur die Konzertaktivitäten (die in der Pressburger Zeitung kommentiert wurden), sondern auch die pädagogischen Tätigkeiten ein (Hilfslehrer wurde sein späterer Nachfolger H. Klein). In seinem letzten Lebensabschnitt zog er sich aus der öffentlichen Tätigkeit zurück.
Für die Belange der MSch. schuf R. das Lehrbuch Anleitung zum Klavier ... (1779), das überarbeitet und ergänzt als Anleitung zum Gesange ... (1798) erschien. Als eines der besten zeitgenössischen Musiklehrbücher enthält es außer der Unterweisung im Spiel auf Tasteninstrumenten, Gesang, Generalbass und Kontrapunkt auch die Grundlagen der Komposition. Die fortschrittliche und methodisch originelle Lösung dieses didaktischen Werkes wirkte sich auch auf seine eigenen Kompositionen aus. Später übernahm J. N. Hummel, ein Schüler R.s (im Schuljahr 1786/87), 44 von ihnen in sein Musiklehrbuch (Ausführliche theoretisch-practische Anweisung 1828). 12 ungarische Tänze, die zu den wertvollen Dokumenten des ungarischen musikalischen Spezifikums – der Hungaresken – gehören, u. zw. des Werbunkostils des adligen Typus, definierte R. auch theoretisch (er charakterisierte sie verbal und bewertete sie ästhetisch). Kompositorisch orientierte er sich v. a. am Schaffen für Tasteninstrumente (Cembalo, Klavier) in den Intentionen des sog. Sturm und Drang-Stils. Die meisten davon schuf er in Pressburg.
W: Klavierwerke: Deux sonates pour Le Clavecin ou Forte Piano, Wien: Huberty 1778; Deux sonates Pour Le Clavecin ou Forte piano, Wien: Torricella 1781; Due sonate Per il Clavicembalo Solo op. 1, Wien: Torricella 1784; Trois rondos pour le Clavecin ou Piano-Forte op. 6, Wien: Artaria 1790; Dix-Huit Pièces diverses pour le Clavecin ou Piano-Forte, Pressburg: Schauff, um 1790; 12 Ungarische Tänze fürs Forte Piano oder 2 Violinen und einem Basse (Ms.). – Vokalwerke: 12 Oden und Lieder (Wien: Artaria 1782; verschollen). – Vokal-Instrumentalwerke: Der Psalm Lauda Sion in 3 Stimmen [...] nebst 2 Klavieren [...] oder Orgel allein (Ms., 1779).
Schr: Anleitung zum Klavier für musikalische Lehrstunden Wien: Kurzböck 1779, 2. Aufl. Alberti 1791); Anleitung zum Klavier für musikalische Privatlehrstunden (Pressburg: Schauff 1791; Anhang: 24 Kadenzen, 6 kleine Klavierstücke); Anleitung zum Gesange, und dem Klaviere, oder die Orgel zu spielen (Ofen: Univ.-Buchdruckerei 1798; Anhang: 33 Kirchenlieder, 31 Kompositionen verschiedener Autoren, 4 Orgelsonaten, 4 Orgelfugen, 25 kleine Kompositionen, 6 Kadenzen).
Lit: GerberNTL 3 (1813); MGG 11 (1963); Československý Hudební Slovník 2 (1965); ZeneiL 3 (1985); L. Munkachy, F. P. R. as Theorist and Composer , Diss. Univ. of Pittsburgh 1968; NGroveD 21 (2001); V. Polakovičová, F. P. R. , Diss. Bratislava 1981; V. Polakovičová in Musicologica slovaca 9 (1985); E. Kowalská in Musicologica slovaca et europaea 17 (1992); WStLA (Verlassenschaftsabhandlung).


DMú  
[ Zuletzt aktualisiert: 2013/07/25 09:47:59 ]

        [ LOGIN... ]

        Eine Neuanmeldung kann unter Menüpunkt "Registrieren" durchgeführt werden.


Home ] [ Musikforschung ] [ Elektronisches Publizieren ]
Akademie ] [ Redaktion ] [ Verlag ]

Quelle: Österreichisches Musiklexikon, IKM, Abt. Musikwissenschaft
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
© 2002–2014 Alle Rechte vorbehalten ISBN: 978-3-7001-3077-2