![]() |
Wozu Wissenschaftsgeschichte?
|
![]() |
Nachdenken über die Geschichte unserer Tätigkeit ist heute vor allem unter dem Gesichtspunkt der gesellschaftlichen Bedeutung von Wissenschaft aktuell. Die Rolle der Wissenschaft in der Vergangenheit kann dabei zu ihrer Bestimmung in der Zukunft wesentlich beitragen. |
![]() |
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Austrian Academy of Sciences Press
A-1011 Wien, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2
Tel. +43-1-515 81/DW 3420, Fax +43-1-515 81/DW 3400 https://verlag.oeaw.ac.at, e-mail: verlag@oeaw.ac.at |
|
||||||||||||||||||||
|
DATUM, UNTERSCHRIFT / DATE, SIGNATURE
BANK AUSTRIA CREDITANSTALT, WIEN (IBAN AT04 1100 0006 2280 0100, BIC BKAUATWW), DEUTSCHE BANK MÜNCHEN (IBAN DE16 7007 0024 0238 8270 00, BIC DEUTDEDBMUC)
|

Wozu Wissenschaftsgeschichte? - Ziele und Wege, pp. 1-23, 2019/07/23
Internationales Symposium,
29.-30.März 2019,
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Wissenschaft, so will es scheinen, heißt Fortschritt, Fortschritt und nichts als Fortschritt. Da ist was dran, aber radikal aufgefasst handelt es sich um einen Aberglauben. Gibt es wenigstens Grund zur Hoffnung, dass die Wissenschaft unser Verständnis des jeweiligen Gegenstandsbereichs immer und überall verbessert und vergrößert? Leider nein. Dies ist nicht verwunderlich bei Wissensgebieten wie der Wirtschaftswissenschaft, die es mit höchst komplexen Phänomenen zu tun haben. Blasenbildung ist kein auf Finanzmärkte beschränktes Phänomen. Immer dann, wenn das zu Erklärende unser Fassungsvermögen übersteigt, also häufig, behelfen wir uns mit Vermutungen und Hypothesen, die richtig oder falsch sein können und vieles mehr. Die Geschichte der Wissenschaften liefert üppiges Anschauungsmaterial hierzu. Man erinnere sich beispielshalber nur daran, was William Stanley Jevons über die klassische politische Ökonomie sagt, John Maynard Keynes über die marginalistische, Robert Lucas über Keynes, Paul Romer über Lucas. Die Theoriegeschichte hat u.a. die Funktion, Irrlehren aufzudecken und, wenn möglich, zu entsorgen. Sie ist vergleichbar dem Müllmann, ohne den unser Leben wenig erträglich wäre.